Das Projekt PFS wurde im August 2024 gestartet, um eine Antwort auf die stetige Zunahme von Rettungsdiensteinsätzen bei Patientinnen und Patienten mit geringer akuter Behandlungsdringlichkeit zu finden. Ziel war es, diese über die Notrufnummer 144 eingegangenen Fälle gezielter zu steuern: Viele Betroffene benötigen keine sofortige Hospitalisation, sondern profitieren mehr von einer direkten Zuweisung in hausärztliche Praxen, an die Spitex oder von einer abschliessenden Beratung und Versorgung vor Ort.
Hohe Erfolgsquote in der Patientensteuerung
Die Bilanz der Pilotphase ist beeindruckend: In über zwei Dritteln der 311 Einsätzen konnte direkt vor Ort ein optimaler Behandlungspfad ausserhalb eines Spitals eingeleitet werden. Dies führte nicht nur zu einer Entlastung der Notfallstationen, sondern auch zu einer ausserordentlich hohen Zufriedenheit bei Patienten und deren Angehörigen.
Rettungssanitäter als ideale Besetzung
Eine wichtige Erkenntnis aus dem Pilotprojekt ist, dass Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter für dieses erweiterte Berufsbild geradezu prädestiniert sind. Sie sind sich gewohnt, selbständig und in fremder Umgebung Patientinnen und Patienten umfassend medizinisch zu beurteilen und Entscheidungen zu treffen. Alles Fähigkeiten, die bei der Arbeit als PFS enorm wichtig sind.
Das Projekt hat zudem eindrücklich aufgezeigt, wie wichtig attraktive Weiterentwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Rettungsdienstes sind, um erfahrene Profis im Beruf zu halten.
Alle als PFS eingesetzten Mitarbeitenden bleiben dem Betrieb glücklicherweise erhalten und rücken wieder im Team auf dem Rettungswagen aus. Damit bleibt der Regio 144 AG auch nach Beendigung des Projekts die durch Ausbildung, Praktika und Einsätze gewonnene Expertise als wertvolles Kapital erhalten.
Systemische Herausforderungen als zentrale Erkenntnis
Trotz des fachlichen Erfolgs hat das Projekt Grenzen im aktuellen Schweizer Gesundheitssystems aufgezeigt.
Im Bereich des Gesundheitsberufegesetzes und der Verrechenbarkeit von Leistungen, die nicht in einem Spitaltransport enden, bestehen weiterhin ungelöste Fragen. Dazu kommt, dass der Beruf des Rettungssanitäters bzw. der Rettungssanitäterin auf Bundesebene gesetzlich nicht verankert ist – obschon er zunehmend eine tragende Säule in der Notfallversorgung darstellt.
Auch stellen sich Fragen zur Alarmierungs-Logik. Da PFS als Teil des Rettungsdienstes betrieben wurden, erfolgte die Alarmierung ausschliesslich über die Notrufnummer 144. Hilfesuchende, die nicht die Notrufnummer 144 wählten, konnten daher nicht bedient werden und gingen dem PFS-System verloren. Dadurch entstanden zu wenig Einsätze, was sich auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, sind neue Aufgebotswege oder ein grundlegendes Neudenken der Notrufnummer-Logik notwendig.
Ein Impuls für die nationale Debatte
Obschon das Pilotprojekt in der aktuellen Form bei der Regio 144 AG endet, sind die Erkenntnisse ein Gewinn. Wir werden diesen Erfahrungsschatz nun aktiv in die nationale Debatte einbringen. Ziel ist es, die Weichen für eine moderne, effiziente und konsequent patientenorientierte Notfallversorgung der Zukunft zu stellen.